Endlich nach 2 Wochen war es jetzt wieder soweit. Wald, Herbstfahren … wieder ein halbes Wochenende Reiten. Der Virus hat mich wieder voll erwischt und auch der Fahrer schwärmt schon von Traumurlauben zu Pferd in Kanada. Bis dahin ist noch ein langer Weg zurück und vor. Nochmal nachgeschaut, nun bin ich schlauer – 10 Jahre ist es her, dass wir außer mal im Urlaub regelmäßig bei den Pferden waren.
So schaukeln wir also noch brav im Schritt durch den Wald, genießen die Natur und kommen uns noch recht doof vor - das ist ja nicht Reiten, das ist sich tregen lassen, aber … Eile mit Weile. Dinge die schon in Fleisch und Blut übergegangen sind wieder vergessen, sich an andere wieder erinnern, standhaft darum bemüht ( der aufmerksame Leser bemerke die Unmöglichkeit dieser Aufgabe ) total locker zu sein.
Grund für die Verwirrung liegt wohl bei mir in den 4 Phasen, die mein Reiterleben schon durchschritten hat – ohne es wirklich mal rein zeitlich zum wirklichen „Können“ geschafft zu haben. Tausend Informationen, hundert Verhaltensregeln schwirren durch meinen Kopf, und die wenigsten davon sind wirklich “durchdacht” oder durchfühlt. Das Los des Greenhorns.
Phase 1 – ich bin ungefähr 7 – und ich WILL Reiten. Aber es war mir nicht vergönnt. Ich lese jedes Pferdebuch, ich schaue jeden Pferdefilm auch die in denen es gar nicht um Pferde geht sondern nur mal eins durchs Bild hoppelt. Fury war mein erklärter Lieblich – klar, der Lassie der Pferdewelt oder Flipper der Ponys? Keine Ahnung, Mr. Ed fand ich jedenfalls saudoof. Um meinem Unterfangen eine gewisse Ernsthaftigkeit zu geben und den mentalen Druck auf kindliche Weise zu unterstützen, bzw. praktischen durch theoretischen Unterricht einfach zu ersetzen lese ich Pferdelexika und behaupte „sie dann eben auswändig zu lernen“. In der Theorie kann ich dann jede Hilfe herbeten, das Putzzeug benennen, die Körperteile etc, etc, etc, - half nichts. Meine sportlichen Aktivitäten spielten sich im Turnverein ab.
In einem dieser Kleinmädchenpferdebücher hab ich dann man gelesen, daß eine Reiterin kurz vor einem wichtigen Wettkampf krank wurde. Welch eine Dramatik. Doch die gute Fee der Geschichte, ihre reitende Tante oder so hat ihr einfach Stricke an einen Stuhl gebunden und sie vom Bett aus Zügel üben lassen. Hab ich natürlich sofort nachgemacht und festgestellt, dass das totaler Blödsinn ist – aber sowas von. Die erste wirklich massive Enttäuschung meiner Reiterkarriere. Übrig blieb jede Menge Frust. Ich glaub ich hab dann die Theorie bald tief betrübt aufgegeben und bin immer auf die Turniere in unserer Heimatstadt gefahren. Neidisch und ehrfürchtig saß ich mit meinen 1,20m auf der Tribune und schaute zu ob ich sehe was die da auf ihren Pferden machen, spielte Rasse raten etc. Und war immer noch tieftraurig … .Am spannendsten fand ich den Abreiteplatz …
So zog sich das hin. Zum Sonntagsspaziergang mussten wir dann immer an der Pferdekoppel vorbei zusammen mit meinem getrockneten Brot und ich hab es gelibt die weichen Pferdemäuler zu kraulen. Wildpark war auch immer toll, Wildpferde hatten es mir fast noch mehr angetan und wenn man mich gelassen hätte, hätte ich wohl auch ´ne Kuh versucht zu reiten.
Wir haben uns heute mittag gefragt warum eigentlich Pferde so eine wahnsinnige Faszination auf Mädchen ausüben. Ich weiß es nicht aber es ist doch bemerkenswert.
Phase 2, da war ich dann schon 18 fast am Ende der Schule – eigentlich geht das ja gar nicht – ich melde mich in einer Reitschule in der Umgebung an. Auf mich allein gestellt, das Geld meines Nebenjobs in der Tasche, mache ich mich per Fahrrad in den Herbstferien jeden morgen und abend auf einem fast zweistündige Tour um jeweils eine Reitstunde zu haben. Das Glück war mir hold, ich hatte auch ein paar Einzelstunden aber v.a. Abteilung. Und typischerweise in diesen Reitställen bei denen die Kneipe vollflächigen Sichtkontakt hatte … brrr.
Erklärt hat irgendwie niemand was. Noch heute frage ich mich was „Kreuz anspannen“ ist, ganz ehrlich … . All mein theoretisches Wissen versuche ich anzuwenden, das klang doch alles ganz logisch aber da die Pferde sowieso alle hintereinander her trotten und ich def. einfach nicht reiten konnte, konnte ich auch wenig machen. Ich habe eine harte Erfahrung der Realität erlebt die mich tief getroffen hat. Dem Pferd war ich sch…egal. Ok, damit kann ich noch umgehen, genug Leckerchen werden das wohl dauerhaft ändern. Aber diese Brüllerei.
„Ecke ausreiten“ brüll, „innerer Schenkel ran“ stampf, „innerer Zügel“ herrgott aber doch nicht außen nachgeben megabrüll – ich fange an zu kapieren, dass das alles überhaupt nicht lustig ist. Aber – wer hoch hinaus will muss durchs Erdgeschoss. Komme mir superblöd vor mit meinen Gummistiefeln und meiner Billigreithose die nur ein bisschen Plastik an den Knien hat bei der Ausstattung der häufig deutlich unter 14jährigen in der Gruppe. ABER: ich will reiten lernen!!!
Der Einzelunterricht war nicht minder beknackt, klar ich musste selber lenken aber erklärt hat´s deshalb noch lang keiner. Ist das so beim Reiten? Learning by doing? Tut das dem Pferd nicht weh. JA, aber das werden die ja nicht sagen, mit mehr Ignoranz und Nichtachtung kann man nämlich gar nicht bestraft werden als als Schulreiter und mit 18??? Reden wir nicht drüber.
Hochgradig überzeugt, dass ich aber doch Reiten können werde hat mich dann aber ein roter Pulli. Ich weiß nicht warum, aber vielleicht weil ich ja in den Ferien jeden Tag dageblieben bin und voller Genuss gemistet habe, Zaumzeug eingefettet und sonstige Arbeiten verrichtet habe, was mir einen Heidenspaß gemacht hat durfte ich dann eines Morgens im meiner Einzelreitstunde ein Nicht-Schulpferd reiten. Nämlich das Pferd der Pferdewirtin, der in geholfen hab und die mir geduldig zwar theoretisch aber doch wo sie konnte erklärt hat was sie in den Stunden gesehen habe und was ich machen soll. Offenbar hat sie mit dem Reitlehrer gesprochen und der kam mit ihrem Pferd in die Halle. Hui, das war ja ein ganz anderes Tempo, Beine dran, Rakete, ups, vielleicht doch nicht so fest. Leichttraben war nicht mehr das ging zu schnell, ich habe einige Zeit gebraucht bis ich mich umgestellt hatte aber war glücklich – es geht ja doch. Ecke geht auch, Volte kein Problem, ja mensch … .
Und dann kam er – der rote Pulli – mit Mensch drin – einfach so – Tür frei rufend – in die Halle. Und Pferdi dreht durch, rennen, rennen, rennen, mehr war da nicht. Denken bei mir auch nicht. Sitzenbleiben, sitzenbleiben, sitzenbleiben … alles was ich denken konnte. Eine Hand an den Sattel, hinsetzen, hinsetzen, hinsetzen .. ohhhhhhhhhh gooooott, ich bin doch noch nie galoppiert.
Pferdi kam dann doch irgendwann wieder runter von seinem Trip, dazu beigetragen hab ich denke ich nichts, wie auch, ich war mehr als beschäftigt. ABER: ich bin NICHT heruntergefallen. Und ich hab zum allerallerallerersten Mal von diesem brüllenden, alten Reitlehrermonster, das uns wirklich beim Aufsteigen an den Hintern gefasst hat ein Lob bekommen um dann sofort die Reitstunde für mich zu beenden.
Tja, danach wieder Bahnstunden – es stellte sich heraus- nach einigen Wochen, dass das Pferd das ich geritten hatte verkauft werden sollte und die Frau mit der ich ein paar Tage später ein Pferd mit Kolik eine GANZE Nacht lang geführt habe mir das Tier verkaufen wollte. Er hatte eine Krankheit und machte Geräusche, war also nicht turnierfähig. Als ich sagte ich kann mir das nicht leisten war das Thema ganz, ganz schnell erledigt. Aber Unterkapitel zwei, auch nicht besser begann. Der Sohn des Besitzers der Kneipe an der Reithalle fand Gefallen an mir. Aua, das war so ein Typ dem man früher in der Pause das Brot weggenommen hat und der dies unter nicht seinesgleichen mit Rechthaberei, Wichtigtuerei und Allüren kompensierte. Hier in der Reiterwelt war er ja einer der ganz ganz wenigen Jungs und ein paar der Mädels reichte wohl, dass die Familie 3 Pferde hatte. Er scharwenzelte also die ganze Zeit um mich rum, klar – die anderen hatte er ja schon durch. Hmm, und ich wusste nicht was ich machen sollte.
Nicht auf die Annäherungsversuche eingehend , formulierend, dass ich schon vergeben bin, nahm ich aber sein nicht enden wollendes Angebot abends in der Halle sein Pferd zu reiten an. Ein RIESE, ein wirklich riesiger Fuchs, der mir jede Menge Respekt einflößte und die abendlichen Stunden waren damit gefüllt nebeneinander auf dem Hufschlag herzutrotten, vollgelabert zu werden und dann ehrfürchtig ( das war die Erwartung ) zuzusehen wie er sein Pferd über die Hindernisse scheuchte. Schön sah das nicht aus. Nun gut, ich bin nicht mehr drauf eingegangen, ich hatte genug, Grenzen setzen war irgendwie nicht. Irgendwann mischte sich Papa ein, wie ich seinem Sohn Hoffnungen machen kann, ihn verarschen. Ja hallo???? Ich sollte mich doch dazu entschließen seine Freundin zu werden, dann stände mir der Reitstall offen. Das war zu viel für mich, die Reitstunden waren beendet, ich bin nie mehr hingegangen.
Tja und dann kam Umzug, Studium … ich hab einfach den Dreh nicht mehr bekommen. Einmal war ich noch in einem Stall. Sah genauso aus wie der andere und als ich brav mein Pferd festhielt weil der Reitlehrer ( auch nicht besonders erpicht auf dilettantische Anfänger ) „noch was holen wollte“ und er mit etwas hinter dem Rücken zurückkam, ich aufstiegt – dem Pferd durch die halbe Bahn hinterher hoppelnd und er eine Gerte hinter dem Rücken hervorholte was zu sofortigen Augen verdrehen weglaufen und Ohren anlegen meines Pferdchens führten was das Thema dann auch für mich durch. Kein Bock mehr.
Phase 3 war dann der Rosenhof – da war´s so wie ich mir das vorgestellt hatte. In Ruhe und mit Spaß. Am Anfang fand ich Gelände nicht so toll – war eher genervt davon, ich wollt ja was lernen. Aber die Mischung war gut und so langsam wurden mir ein paar Dinge klarer. Mir war bewusst, dass ich nie mehr ein toller Reiter werde, war nicht schön aber ok, nur hatte ich wenigstens das Gefühl, dass es den Pferden gutging, es gab keine Schreierei. Ich hab´s sogar zu ´nem kleinen Sprung geschafft. Na gut, hat ja v.a. das Pferd gemacht, aber ich bin zurecht gekommen. Habe Antworten bekommen, lernte Trensen, Hufe auskratzen und alles was dazu gehört. Und ich war happy … .
Nun hat Phase 4 begonnen. Wir sind nach 10 Jahren wieder aufgestiegen. Tja „nun steh ich da ich armer Tor und bin so schlau als wie zuvor“. Vieles ist weg, v.a. der Pferdehintern ( der ja erst anfing zu sprießen ) alles ist anders aber wir genießen es.
Erste heute im Wald war es wieder da, so ein tolles Erlebnis – hallo Ferse, ja da seid ihr ja … jujuuuuuuuuuuuuuuuu, euch hab ich ja komplett vergessen. Und so hoffe ich kommt auch alles andere zurück. Dinge tun macht ja Spurrillen im Hirn. Die Reitspuren sind Plattgewalzt von Jobsachen und sonstigem, von rein denkenden Tätigkeiten und sogut wie keiner anspruchsvollen Bewegung. Motorik – klappt nur mit der Maus super, Multitasking geht nur noch mit Telefon, eMail und Twitter und überhaupt kopfabwärts ist nix mehr los mit mir – weder Kraft noch Körperintelligenz. Aber jetzt fahren wir die Rillen halt wieder ein auch wenn es denke ich zu spät ist um ein guter Reiter zu werden, aber es ist nicht zu spät zu Reiten … und es ist schön.
Was ich eben denke ist … es geht auch anders, bei guten Leuten, die ihre Pferde mögen, die versuchen Ihnen das Leben mit den doofen Reitschülern so angenehm wie möglich zu machen und nicht das Reiten mit militärischen Übungen verwechseln aber die es trotzdem verstehen das was man eh fühlen muss ( was extrem viel einfacher klingt als es ist ) so zu vermitteln, dass man die Chance hat dazu zu lernen.
Heute habe ich gesagt, es wie an der Zuckerwatte schlecken und sie dann weggenommen bekommen – leider kann man ja als Späteinsteiger nicht mehr 3mal die Woche die Nachmittage im Stall verbringen, oder man gewinnt mal schnell im Lotto und macht das „hauptberuflich“ – aber das ist ja quatsch. Ich freu mich auf in 3 Wochen, da heißt es wieder hoch zu Ross :-), holdrioooooooooooo.
Was wir jetzt machen - und wonach ich eigentlich wie ich jetzt nach ein bisschen Einlesen - lange gesucht habe ohne zu wissen wie das heisst ist Natural Horsemanship.
Klar heisst das nicht dass man da nicht auch erst mal ganz normal lernen muss Balance zu halten etc, völlig ohne Hokuspokus aber was mir gefällt ist die Einstellung.
Wenn man ein Pferd schon reitet, dann ist doch dessen Wohl sogut man das kann das Wichtigste. Ich hab nat. noch keine Ahnung davon aber ich bin fest der Überzeugung, daß das ein richtiger Weg ist, den wir wirklich gerne lernen wollen. nat. Kann man das eigentlich nur mit dem eigenen Pferd, aber das wird wohl sinnvollerweise vor in ein paar Jahren nichts - aber der Ansatz klingt wesentlich besser als alles was ich bisher gehört habe. Die Industrie darum nervt mich schon jetzt nach ein paar Tagen lesen, aber wo Licht da Schatten. Das Westernreiten fällt uns zwar noch schwer die Dinge zu machen die wichtig sind und andere weg zu lassen, aber das wird sicher … .
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