Bockmog

Der Unimog und unser schönes Restleben

Wir steigen um … oder auf

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Wie schön doch genau 1PS sein kann :-). Heute abend hab ich Lust zu schreiben, nachdem wir endlich mal wieder einen Pferdehintern unter unserem Allerwertesten hatten. Ich bin noch ganz beschwingt von schönen Herbstfarben und der Stille im Wald. Schade, dass unsereins wirklich den ganzen Tag hinter seinem Computer sitzt und von eineer ordentlichen Dosis Sauerstoff ganz (angenehm) “benebelt” ist.

Bisher haben wir nach Reitanfängen vor langen, langen Jahren im schönen Hunsrück auf einem wunderschönen Fjordiehof,dem Rosenhof von Raunhild Wenzel bis zu diesem Wochenende im Taunus einfach nichts gefunden, was uns zugesagt hat.

null Quelle

Dort gings es überhaupt nicht um Leistung, dort ging es um einen guten Umgang mit den Pferden und sonst nichts. Der Rest kam von selbst. Und die liebe Sira, die dort bei Familie Wenzel ihren Dienst tut hat mir sowieso das Herz gebrochen und ich ertappe mich noch nach Jahren, dass ich schwärmerisch von ihr erzähle. (Auch wenn sie mir am Anfang mit ihren Hopsern jedesmal einen Riesenschrecken eingejagt hat - Gespenster hinter Bäumen :-) oder ne Gans die Pferde frisst :-)). Dieses wertfreie, von Spartenregeln wie rein englisch oder rein Western befreite Konzept war klasse - ohne den komischen Reiterehrgeiz, so schnell wie möglich so viele Bahnfiguren wie möglich absolvieren zu können und das berühmte “ich kann in der Bahn im Stand angaloppieren” - Geblubber, Eile mit Weile. Es dauert für groß und klein einfach so lang wie es dauert - und dann geht´s auch ganz schnell. Keine theoretischen Vorträge, sondern kleine Übungen, die dem Popo deutlich gemacht haben was von ihm verlangt wird ohne groß drüber zu reden. Das merkt man da schon. Oder auch mal ne besondere Stunde Beine ruhig halten und angalopieren auf dem Hengst an der Longe lernen, der jeden Fehler direkt “gemeldet” hat. Einfach toll, ich vermisse es immer noch.

Tja, was erwartet so ein mental verwöhnter Anfängerpopo oder ein sehr sehr verstaubter Reiterpopo so. Ja mal zumindest vernünftigen Umgang mit den Vierbeinern, aber das ist offenbar nicht so einfach. Pferde die im Schrank wohnen und den ganzen Tag im Kreis rennen müssen - brr, das fühlt sich falsch an.

Leute, die mehr auf die Geldboerse der Reitschueler schielen als das wirre Rumgehopsel, das man nun mal als Anfänger oder nach langer Zeit zwangsläufig macht, zu unterbinden wissen oder schlimmer, jedem der´s lernen will erst mal unmissverständlich klar zu machen, dass man nichts verstehen muss sondern gefälligst die Klappe zu halten und zu funktionieren hat. Fragen unerwünscht. Hmm, wenn man nur wuesste wie … . Bin ich etwa zu verkopft??? Ich versuche ja nur zu verstehen was hier los ist :-).

Jeder ist doof, der sich einbildet, dass man als Anfänger eine Wohltat für die Pferde ist - aber drauf muss man ja doch ums am Ende irgendwann zu koennen … und Genuss soll´s ja auch sein … .
Wie war das mit dem Glück der Erde?

Nach langem Suchen ein Hoffnungsschimmer, zwar normaler Reitstall aber die Pferde duerfen raus, andere Reiter die den Hof empfehlen und ihre Pferde dort haben … klingt vernünftig und sinnvoll. Doch leider fahren wir bereits nach dem ersten Mal zwar einerseits freudig erregt, weil wir wieder Pferdeluft schnuppern können, andererseits doch irgendwie mit gemischten Gefühlen wieder hin. Das wär der Zeitpunkt gewesen, es einfach zu lassen.

Irgendwie ist das alles komplett anders. “Spann dein Kreuz an” - bellt es aus der Mitte - hä … ich soll doch entspannt, gerade sitzen. Kann ja sein, dass das Sinn macht, aber kann mir erst mal einer erklären, was das heisst? Innerer Schenkel, halt ihn innen fest - können wir da in 3 Wochen nochmal drüber sprechen, ich würde mich gern erst mal sortieren? - Dann Leichttraben nach 5 Minuten, obwohl wir deutlich machen, dass wir das sogut wie nie gemacht haben und es kommt noch besser - gleich alle 5 Pferdeschritte umsitzten - “probier mal”. Herrjeh ….

1-2, 1,2 - 1-1 -1-2, 1-2 ….. Uff, zum Glueck geht das noch - das hab ich vor 15 Jahren als Kind zum letzten Mal gemacht -, ich komm mir nämlich vor wie bei der Abiprüfung … oder auf dem Kasernenhof -bloß nix falsch machen, ohne zu wissen was ich tun soll ums richtig zu machen - tu dies, lass das - hab ich nicht gesagt, dass wir eine etwas andere Art des Reitens gelernt hatten?

Trab du doch mal einen ganzen Tag im Matsch und unwegsamen Gelände leicht - pfff - mit einem Augenbrauenhochziehen kommentiere ich die Bemerkung, dass man “hier” auch draussen ausschliesslich leicht trabt. Ist ja ok,- jeder Jeck ist anders - aber das Andere hat sicher auch seinen Sinn. “Hier” ist alles ein bisschen anders.

Wehmütig denk ich an die vielen Spielübungen auf dem Rosenhof zurück, über Wippen und durch Stangenlabyrinte gehen, da muss man nämlich grade sitzen und seinen Popo benutzen -viel mehr als bei diesem Kinderkarussellreiten. Über Stangen laufen ohne dass die Hinterbeine schlurfen, da lernt man doch tausendmal besser den Zeitpunkt wann die Schenkel drücken müssen, sonst klapperts.

Apropos … Ähm, sollen wir nicht langsam mal die Hand wechseln? Oh ja, das hab ich ganz vergessen, bitte mal Abteilung aus der Ecke kehrt. Uff …

Warum lass ich mich eigentlich so beeindrucken - Ich halte den Atem an - mach ich ständig und merks nicht mal - aber das ist das Einzige, was “hier” nicht korrigiert wird, dabei dachte ich das wäre der allerallerallerschlimmste Fehler und bin mir sicher, da liege ich richtig.
Sag ich ihr aber jetzt besser auch nicht … ich versuche mich wieder zu konzentrieren.

Was mach ich denn mal am besten - so überleb ich die Stunde nicht, erst 20 Minuten rum - Erst mal Zügel lang - da kann ich nicht so viel Schaden anrichten - hoffentlich schaut sie noch ein bisschen weg - das arme andere Pferd schlingert irgendwo mitten in der Bahn rum, da hilft auch die nagelneue Hose und die blanken Stiefel nix- und mal aufhören mit den Beinen rumzumachen - Bügel weg. Erst mal gradeaus und Ecken ausreiten, wenn das klappt, weiss ich, dass ich wenigstens einigermassen meinen Popo unter Kontrolle hab. Sie hat nicht hingeguckt … also jetzt nochmal von vorne, alles auf Anfang und nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Wir traben wieder …. Oh neiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin, bitte Tante, gib mir jetzt keine Gerte, das Pferd kann doch nix dafür - Supertrab kommt später! Sagemal merkt die das nicht? Ok, so tun als ob und mit dem Ding nicht rumfuchteln, hinsetzen und traben - tolles Pferd, danke dass es auch erst mal so geht, ich kann nämlich gar nicht mehr entscheiden ob du keine Lust hast oder ich dir Kauderwelsch erzähle … und dich das ausbaden lassen - oh man.

Der Hälfte der Kommados kann ich gar nicht folgen, ich merk doch, dass ich erst mal versuchen sollte meine Hände ruhig zu halten … aaah was läuft hier, kann mir mal einer helfen und das Tempo rausnehmen - armes Pferd. Bitte, bitte komm doch mal einer auf die Idee die Longe zu holen, oder können wir nicht erst mal fröhlich Schlangenlinien reiten bis ich meinen Hintern wieder sortiert habe ???

Warum ich das jetzt schreibe? Weil ich so froh bin dass ich grade 2 Tage ohne das ganze Theater erlebt habe - in Ruhe zwei Tage durch den Wald schaukeln - Sitzbeinhöcker wieder spüren - bissl experientieren, bis die Beine wieder da liegen wo sie (ungefähr) hin sollen und kein Geschwätz: “der sitzt sich aber hart” - hä?? das ist doch dein Problem oder??? Von Leuten die es offensichtlich noch schlechter können.

Das Einzige was fehlt ist Sira und die Gespenster hinterm Baum :-).
Sie hat´s mir immer leicht gemacht und ihre Schmusereien waren einfach schön.

Dieses Reitwochenende und viele schöne Erinnerungen haben mich heute mal wieder lernen lassen, dass man seinem Bauchgefühl trauen soll und sich nix einreden lässt - so schlau es auch immer klingt.

Hach des war schön und jetzt kanns endlich weiter gehen mit den 1PS :-) - mindestens genauso schön wie´s moggeln.


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One Response to “Wir steigen um … oder auf”


  1. Mainbube
    on Nov 22nd, 2009
    @ 9:49 am

    Schön das Du endlich den Weg wieder in die Blogosphäre gefunden hast. Auf dem Rücken von so einem Pferdchen ist es viel schöner als in einem stinkenden und lärmenden Auto, für die Entspannung garantiert das richtige Fortbewegungsmittel.

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