Bockmog

Der Unimog und unser schönes Restleben

Marokko 2009 - Fes - Ifrane - Arzrou

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Bockmog - Tour / Marokko 2009 - Mittlerer Atlas

So, nachdem wir uns wieder in den Mog gepackt haben, der sich mittlerweile so richtig nach Basisstation anfühlt und die entsprechende Bewohntheit bekommt ( sei es nur durch das Chaos das im Wohn-, Ess-, Schlafzimmer herrscht, bis wir irgendeine Form von Selbstorganisation gefunden haben ), nutzen wir die Abendstunden um weiter zu fahren. Zwischen Ifrane und Azrou liegt wieder ein kleiner Campingplatz, den wir erreichen und von dem aus wir den mittleren Atlas ansteuern wollen. Erst mal aus Fes rauskommen, aber das geht wider Erwarten ganz gut.

Morgens hatten wir beim Spülen eine Wohnmobilurlauberin getroffen. Komischerweise funktioniert das irgendwie so: man unterhält sich untereinander auf Deutsch, klar. Aber manche Auch-Reisende sehen dies als Zeichen für einen gepflegten Smalltalk - Begründung: weil sie die gleiche Sprache sprechen. Mhmmm, das ist Gemeinsamkeit auf das Maximum reduziert. Diese aber ist eigentlich ganz nett, nicht unser Alter, ok und auch von der Sorte, die ihre Schuhe schrubbt, damit sie schön sauber sind - diese fiesen, superhässlichen, ich kann´s gar nicht in Worte fassen, Croques, die alle seit 2 Sommern anhaben. Warum nur? Sollte einer der werten Leser mir das mal erklären können, wär ich sehr sehr dankbar.

Nun gut, sie fragt wo wir hinwollen, erzählt, wo sie waren und dass sie auf der Heimreise sind. Brrrr, bei dem Wort kriege ich schon Schauer.

( Habe mich übrigens wieder ein wenig mit “good old germanny” versöhnt. Zum Glück ist das Wetter grade so schön, dass man mit dem Radl morgens am Main entlangfahren kann und Abends im Schneckentempo zurücktrödeln und die Menschen die im Gras sitzen sind endlich mal relaxt und haben gute Laune. )

Sie waren schon sehr sehr viel länger unterwegs erzählt sie, als sie uns vor den Radarkontrollen warnt und den krummen Forderungen für´s zu schnell Fahren ( was bei uns ja eigentlich gar nicht geht ) . Sie gibt max 100DH und wenn Sie mehr Zeit hätten würde sie auch mal auf stur stellen. Das Paar stand wohl mal 3 Tage an der Algerischen Grenze, weil der Zollbeamte gerne ein größeres Geschenk, zum Beispiel die Wohnmobilmatratzen gehabt hätte :-).
Reisende, die am dritten Tag ankamen durften aber nach kurzer Prozedur weiterfahren und lieferten Ihnen auch die Erklärung: PORNOHEFTE dabei haben -aiaiai. Die Armen mussten sich auslachen lassen, weil sie das nicht wussten. Ich notiere mir das sofort in meinem Hinterkopf und beschliesse, dass der Fahrer die dann kaufen gehen muss :-).

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Generell hab ich ein Problem mit Wohnmobilen - also mit dem Fahrzeug an sich schon - die sind sooooo hässlich und der Inbegriff von Konformität. Alle sehen gleich aus und sie haben Alles, eigentlich könnten die Leute, die mit den Dingern in die Sonne fahren und dann im Stuhlkreis, der jeder Selbthilfegruppe Konkurrenz macht, auf den Platzen sitzen und über weiss der Geier was reden, auch einfach zuhause bleiben - Balkonien on the road. Sie bringen eh ihr eigenes Essen mit, kochen wie zuhause und arbeiten hart wie zuhause ( die Ankunftsprozeduren lassen mich jedes Mal wieder staunen, Tepich ausrollen … . ).
Das Einzige worauf ich wirklich, wirklich, neidisch bin, sind Ihre Klo´s - aber das werd ich erst in ein paar Tagen feststellen - und das weiss ich jetzt schon, dass die während der Fahrt einfach auch mal hinten sitzen oder ein Nickerchen machen können. Aber das war´s auch … . Ansonsten sind die mir suspect und passen in ihrem strahlenden Weiss, mit ihren blöden Elchen hinten drauf und als unförmige Ufos überall hin, bloss nicht hier.

Ausserden schauen die entweder zu neugierig, wenn wir ankommen und stehen ums Auto rum und knipsen, damit sie was zu erzählen haben oder schauen tief entsetzt über den Lärm, den Staub oder unseren Muff-Mog :-), der sein Dieselgetränk verbrennt. Manchmal bekommt man diesen “wehe die stellen sich jetzt neben uns - oh gott heinz nun tu doch was - stell die geranien, die nicht da sind- töpfe noch was mehr in den weg” - Blick. Mhmm, ne, mit denen werd ich mich nur wenn es sehr sehr nette Leute sind höchstens ein ganz kleines bisschen anfreunden, wenn es allzudringend mal sein muss.

Vielleicht isses auch ein bisschen Arroganz, weil ich unser Moggele, so sehr ich ihn auch schon verflucht hab und wahrscheinlich noch öfter beschimpfen werde, doch schon ganz schön “cool” finde und wir ein Stück Charakter und Geschichte rumfahren, in der wir erst ganz langsam beginnen eine Rolle zu spielen.

Wo der schon überall war, muss er doch bissl Schmunzeln bestimmt, was wir für ´nen Auftstand jetzt machen. Wenn wir auch erst mal auch mit Ihm in Indien waren, dann können wir wirklich was sagen :-). Aber wir sagt man unter den Reitern: Auf alten Gäulen lernt man das Reiten!

In Ifrane verzetteln wir uns total und ich bin bissl genervt, weil ich gehofft hatte noch zu halbwegs akzeptabler Zeit einen Supermarkt zu finden. Wir müssen fast 20km zurückfahren und den richtigen Weg suchen. Auf irgendwas, das wie ein Dorfplatz aussieht, steigt der Fahrer aus und ein Marokkaner hält an und … ich fass es nicht, redet auf Schwitzerdütsch auf uns ein - ich muss mein Grinsen aus Höflichkeitsgründen wirklich massiv unterdrücken. Das ist eine wirklich skurrile Kombination und seine Begeisterung für das “Moggeli” ist auch fast nicht zu bändigen. Er fragt nach unserer Route und gibt uns Tipps ( ja ich habe super Strecken ausgesucht :-)) und schliesslich lotst er uns in die richtige Richtung. Das GPS ist nähmlich ein ganz nettes Spielzeug aber der blöde Computer hat das Gerät gar nicht gefunden, so konnten wir keine Karten übertragen und haben weder Tracks noch richtige Karten, nur die wichtigsten großen Strassen.

Ich hab HUNGER!!!! - Das Essen haben wir nämlich heute völlig vergessen und es gibt 2 Dinge, die jetzt in Kombination auch noch , bei mir für ziemliche Unleidlichkeit in dieser Reihenfolge sorgen: Schlafbedürfnis und Hunger. Meine nähere Umwelt kann bezeugen, dass ich nicht ein bisschen müde sein kann - müde ist müde und dann muss ich sofort schlafen, sonst wirds für alle Beteiligten leider, leider, ohne dass ich viel dagagen machen kann, unangenehm. Kenne auch niemand, bei dem das genauso ist aber es kam schon vor, dass ich einen Kneipenabend innerhalb von ca. 10 min für mich beendet habe inklus. Verabschiedung. No chance :-), was muss das muss.

Ich möchte also vorm Campingplatz noch nach Azrou reinfahren, doch dort überkommt mich meine Müdigkeit so richtig. Die Strassen sind voll und ich mag am liebsten gar nicht aussteigen. Fühle mich ein bisschen schüchtern dazu, denn Frauen sieht man hier überhaupt keine, nur Männer, die in den Cafés sitzen, essen, reden - und offensichtlich großen Spass haben. Knatschig folge ich dem Fahrer in eine Bäckerei, wo wir Brot kaufen, was wir auch morgen für den Tag brauchen werden. Danach wird auch leider der superleckere, spanische Käse aufgebraucht sein. Essen gehen - eigentlich gern, aber das schafft ich wirklich nicht mehr. Ich will nur schnell ein Brot.

In der Bäckerei erhellt sich dann meine Laune wieder minimal - ich entdecke nämlich Süßkram ( hilft bei vielen meiner Leiden relativ zuverlässig vorrausgesetzt ich nehme es in großen Dosen zu mir :-)).

Wenn dieses Gebäck auch nur halb so gut schmeckt, wie es aussieht, mürbeteigig, süß, bröselig feucht, dann möchte ich gerne nie mehr was anderes essen. Ich zeige also darauf und werde gefragt wieviel. Hmmm, wie geht das jetzt? In Gramm, in Stücken? Keine Ahnung. Bei uns kriegt man ja sowas leider nur an Weihnachten und dann 100 Grammweise - aber hier werden auch die Zigaretten einzeln verkauft.
Unsicher halte ich meine Hände zu einer Kuhle, merke wie ich ein bisschen rot werde ( was bei mir ständig, mit oder ohne Grund passiert ) und sage “un petit peu”?

Hochgradig erfreut stelle ich fest, dass sie nickt und ein süßes Faltkästchen besorgt, das wie eine Geschenkverpackung aussieht. Ha! Das gibt dem ganzen noch mehr etwas besonderes und ich freu mich wie ein kleines Kind als sie auch noch eine rosa Schleife drumbindet und es mir überreicht. Das hab ich gut gemacht :-).

Mit dem Brot und den Keksen zurück zum Mog und dann schnell auf den Platz, der zwar voll ist, aber der nette Mann gibt uns noch ´nen Platz, der eigentlich keiner ist :-), Strom haben wir eh noch genug.
Ich koch schnell nochmal Nudeln, für etwas anderes haben wir keine Energie mehr und die frischen Tomaten drüber und warmwerden lassen, einfach nur mit bissl Knobi und frischem Pfeffer, schmecken wie von Bocuse selbst - wir mümmeln glücklich vor uns hin und die Kekse sind superlecker als Nachtisch. Jetzt endlich in die Falle.

Trotz der ungewohnten Umgebung schlafen wir beide im Moggele so gut, wie wir es nie erwartet hätten, tief, fest und ruhig, bis es morgen weitergeht.


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3 Responses to “Marokko 2009 - Fes - Ifrane - Arzrou”


  1. Mainbube
    on Apr 10th, 2009
    @ 6:52 am

    Toiletten und süsskram, zwei ganz wichtige Dinge! Finde das die Beschreibungen der Hymermobilmenschen sehr gut passt! Egal ob Deutsch oder Franzosen, die fahren mit ihrer Heimat unterm Po überall hin und wollen eigentlich nur nette Gegenden abfahren!


  2. www.fes-marokko.de
    on Oct 7th, 2009
    @ 4:18 am

    Wer die wunderbare Königsstadt Fes mit der historsichen Médina besuchen möchte, sollte auf http://www.fes-marokko.de vorbeischauen! Dort gibt es viele Tipps zu Anreise, Hotels und Stadterkundung.


  3. Mit Ryanair gratis fliegen
    on Nov 19th, 2009
    @ 2:43 pm

    Danke für den inetressanten Bericht! Für alle, die günstig nach Marokko wollen: Ryanair fliegt bereits ab 20 Euro von Deutschland nach Fès, Agadir und Marrakech. Wie’s geht: eine detaillierte Anleitung und Infos zu den Abflug- und Zielorten gibt es auf http://www.gratisflug.com.

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